Erzähler: Es wurde Hochzeit gehalten und übers Jahr gebar die schöne Müllerin ein Mädchen. Es wuchs heran und ward der Augapfel seines Vaters.
Die schöne Müllerin: Ach! So schnell ist so Vieles erzählt!
Erzähler, irritiert: Was ist daran falsch? So steht es da!
Die schöne Müllerin: Das ist wohl so, um die Geschichte voranzubringen. Doch es ging nicht so leicht, das Kinderkriegen. Ich wurde und wurde nicht schwanger. In meinem ersten Glück bemerkte ich das gar nicht. Doch die Bauern, die das Korn brachten, machten dann und wann eine witzelnde Bemerkung. "Die Kuh will nicht kalben, ob's am Stier liegt?" Solche Sachen eben. Endlich, nach Jahr und Tag war ich guter Hoffnung. Erst dann merkte ich, wie das Ganze meinem Mann zu schaffen gemacht hatte. Wie er allmählich stiller und verschlossener geworden war. Seine neu erwachte Fröhlichkeit, sein besorgt-Sein um mich und seine Rücksichtnahme waren unglaublich wohltuend. Irgendwie habe ich mich dann nochmals in ihn verliebt. So richtig toll.
Müller: Ja, Frau, wir waren selig! Bis … (verstummt).
Die schöne Müllerin: Ja, bis ich das Kind verlor, ein Knabe. Da ging eine Welt bachab. Und das Warten ging von neuem los. Endlich wurde ich erneut schwanger und ich hoffte und bangte und verlor das Kind wiederum. Ein Mädchen.
Bauer: Jeder hat dich geliebt. Jeder hat dich in sein Herz geschlossen. Du warst so aufmerksam, so gastfrei, halfst, wo du konntest. Wir liebten dich. Alle liebten dich. Darum waren wir über dein Unglück betroffen. Unsere Frauen gaben uns heilsame Kräuter für dich mit. Kuchen und Wein, damit du wieder stark würdest. Wie freuten wir uns, als du das dritte Kind zur Welt brachtest!
Bauersfrau: Wir strickten Jäckchen, Söckchen, Käppchen und Deckchen. Aber niemand erzählt davon. Ja, Mann, wie hatten wir alle die schöne Müllerin in unser Herz geschlossen!
Alice: Endlich. Bravo, Bauersfrau! Du hast’s kapiert! Niemand nimmt Notiz von euch! Ihr seid die vergessene Hälfte der Menschheit! Was meint eigentlich unsere graue Eminenz im Hintergrund?
Rumpelstilzchen: Macht weiter, Kinder! Macht nur weiter so!